Warum die Suche nach dem Eigenheim nicht mit Quadratmetern beginnen sollte
Viele Menschen beginnen ihre Immobiliensuche mit ziemlich konkreten Vorstellungen.
150 Quadratmeter Wohnfläche.
Fünf Zimmer.
Ein freistehendes Haus.
Ein großer Garten.
Am besten in einem Umkreis von 20 Kilometern.
Das klingt zunächst nach einem guten Suchprofil.
Wenn Menschen mit solchen Vorstellungen zu mir kommen, interessiert mich allerdings erst einmal etwas anderes:
Wie sind Sie eigentlich auf diese Anforderungen gekommen?
Denn bevor wir darüber sprechen, wie groß ein Haus sein soll, möchte ich wissen, welches Leben darin und drumherum stattfinden soll.
Erst das Leben verstehen. Dann die Immobilie suchen.
Eine Immobilie ist für mich kein Produkt, das man anhand einiger technischer Daten auswählt.
Sie ist der Rahmen für einen Teil unseres Lebens.
Deshalb möchte ich meine Kunden zunächst kennenlernen.
Wo liegt ihr Lebensmittelpunkt?
Wo leben Familie und Freunde?
Wie sieht der berufliche Alltag aus?
Welche Rolle spielen Schule, Kindergarten oder Verein?
Wie verbringen sie ihre Freizeit?
Brauchen sie die Nähe zur Stadt oder bedeutet Lebensqualität für sie eher Ruhe, Natur und einen großen Garten?
Arbeiten sie regelmäßig im Homeoffice?
Sind Kinder da oder geplant?
Und genauso wichtig:
Wie könnte dieses Leben in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen?
Erst aus diesen Antworten entsteht für mich ein wirklich sinnvolles Suchprofil.
150 Quadratmeter sagen wenig darüber aus, ob ein Haus zu mir passt
Natürlich braucht eine Familie ausreichend Platz.
Aber braucht sie deshalb automatisch 150 Quadratmeter?
Vielleicht sind 120 Quadratmeter mit einem gut durchdachten Grundriss viel passender als 150 Quadratmeter mit Flächen, die im Alltag kaum genutzt werden.
Vielleicht braucht es kein separates Gästezimmer, wenn nur zweimal im Jahr Besuch übernachtet.
Vielleicht ist das große Grundstück ein Traum – bis man feststellt, wie viel Zeit man tatsächlich mit Gartenarbeit verbringen möchte.
Und vielleicht ist das freistehende Einfamilienhaus gar nicht entscheidend, wenn ein Reihenendhaus am richtigen Ort viel besser zum eigenen Leben passt.
Deshalb versuche ich, hinter einer Anforderung immer auch das Bedürfnis zu verstehen.
Denn Quadratmeter sind eine Zahl.
Das Leben dahinter ist individuell.
Für mich kommt der Ort vor der Immobilie
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.
An einer Immobilie lässt sich vieles verändern.
Ein Bad kann modernisiert werden.
Böden können ausgetauscht werden.
Räume lassen sich manchmal anders aufteilen oder nutzen.
Ein Anbau oder Ausbau kann zusätzlichen Platz schaffen.
Aber das Umfeld kaufe ich mit.
Wenn meine Familie in der Nähe lebt, kann ich sie nicht einfach zehn Kilometer näher an mein neues Haus versetzen.
Dasselbe gilt für Freunde, Schule, Verein, Arbeitsweg oder die Natur, in der ich meine Freizeit verbringen möchte.
Deshalb lautet eine meiner Grundregeln bei der Immobiliensuche:
Erst die Prioritäten. Dann der Ort. Dann die Immobilie.
Das bedeutet nicht, dass niemand beim Ort Kompromisse machen sollte.
Aber ich möchte wissen, welchen Preis dieser Kompromiss für das eigene Leben hat.
20 Kilometer können zwei völlig unterschiedliche Leben bedeuten
Ich erlebe das selbst in Dossenheim.
Für mich bedeutet dieser Ort nicht nur eine Adresse.
Ich kenne Menschen, wenn ich durch den Ort gehe. Man grüßt sich, kommt ins Gespräch – und wenn man seine Ruhe möchte, kann man sich genauso zurückziehen.
Vieles erledige ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Gleichzeitig bin ich schnell in Heidelberg oder Mannheim, schnell auf der Autobahn und genauso schnell mit der Harley im Odenwald.
Weinberge, Wald und Felder liegen praktisch vor der Haustür.
Das ist mein Lebensbild.
Ein anderer Mensch würde vielleicht sagen:
„Viel zu ruhig. Ich möchte mitten in Heidelberg wohnen und abends zu Fuß ins Restaurant gehen.“
Auch das ist richtig.
Deshalb halte ich wenig davon, einen Suchradius einfach nur mit einem Zirkel um den Arbeitsplatz zu ziehen.
20 Kilometer Umkreis können zwei völlig unterschiedliche Leben bedeuten.
Die entscheidende Frage lautet nicht, welcher Ort objektiv besser ist.
Sondern:
Welcher Ort passt besser zu mir?
Denken Sie nicht nur an heute
Zu einem guten Suchprofil gehört für mich auch ein Blick auf den nächsten Lebensabschnitt.
Ein junges Paar braucht heute vielleicht drei Zimmer.
Dann kommen Kinder hinzu. Homeoffice wird wichtig. Der Platzbedarf wächst.
Einige Jahre später ziehen die Kinder wieder aus – und aus dem großen Familienhaus wird plötzlich ein Zuhause für zwei Menschen.
Wir können unser Leben nicht für die nächsten 30 Jahre vorhersehen.
Und wir sollten es auch nicht versuchen.
Aber wir können uns fragen:
Was muss die Immobilie für meinen nächsten Lebensabschnitt können?
Das nimmt einer Kaufentscheidung übrigens auch ein Stück ihres Drucks.
Das erste Eigenheim muss nicht zwangsläufig die Immobilie sein, in der ich mit 80 noch wohne.
Wenn sie dann immer noch zu meinem Leben passt: wunderbar.
Wenn nicht, darf auch Wohneigentum sich verändern.
Nicht das Leben muss irgendwann zum Eigenheim passen. Das Eigenheim sollte zum Leben passen.
Aus Wünschen müssen Prioritäten werden
Vor einer Immobiliensuche würde ich deshalb nicht nur eine Wunschliste erstellen.
Ich würde drei Kategorien bilden:
1. Das ist unverzichtbar.
Zum Beispiel die Nähe zur Familie, ein bestimmter Schulweg oder ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder.
2. Das wäre mir wichtig.
Vielleicht der Garten, ein zusätzliches Arbeitszimmer oder eine Garage.
3. Das wäre schön.
Das neue Bad, der perfekte Boden, die offene Küche oder noch ein paar Quadratmeter mehr.
Diese Unterscheidung wird spätestens dann wichtig, wenn die Realität auf das Suchprofil trifft.
Denn die perfekte Immobilie am perfekten Ort zum perfekten Preis ist selten.
Wer seine wirklichen Prioritäten kennt, kann trotzdem eine sehr gute Entscheidung treffen.
Die wichtigste Frage kommt deshalb vor der Immobiliensuche
Wenn Sie gerade über ein Eigenheim nachdenken, beschäftigen Sie sich einmal nicht mit Immobilienportalen.
Noch nicht.
Setzen Sie sich stattdessen hin und beantworten Sie eine andere Frage:
Wie möchte ich in den kommenden Jahren leben?
Nicht:
Wie viele Quadratmeter möchte ich?
Nicht:
Wie groß soll mein Grundstück sein?
Und auch nicht:
Welchen Haustyp finde ich schön?
Sondern:
Wo möchte ich morgens aufwachen?
Welche Menschen möchte ich in meiner Nähe haben?
Wie möchte ich meine Freizeit verbringen?
Welche Wege gehören zu meinem Alltag?
Wo brauche ich Rückzug?
Was soll mein Zuhause meiner Familie ermöglichen?
Aus diesen Antworten lässt sich anschließend ableiten, welche Immobilie dazu passt.
Nicht umgekehrt.
Mein Fazit
Ein gutes Suchprofil besteht für mich deshalb nicht zuerst aus Quadratmetern, Zimmern und Grundstücksgröße.
Es beginnt mit dem Menschen.
Mit seinem Leben.
Seinen Gewohnheiten.
Seinen Prioritäten.
Und seinen Vorstellungen von Zuhause.
Erst die Prioritäten.
Dann der Ort.
Dann die Immobilie.
Genau dabei unterstütze ich meine Kunden als Eigenheimcoach: Nicht einfach irgendeine passende Immobilie zu finden, sondern zunächst herauszuarbeiten, wonach wir eigentlich suchen sollten
